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Modernes Curriculum: Medizin studieren an der ETHZ

Schon seit einer ganzen Dekade existiert der Bachelor in Humanmedizin an der ETH Zürich (ETHZ). Was er beinhaltet und wie die Studierenden darüber denken, berichtet eine ehemalige Studentin der Hochschule.

Elisa Wepfer
Liaison Officer FMH-Swimsa

«Ja, wir haben klinische Inhalte in unseren Vorlesungen. Nein, ich möchte nicht in die Forschung gehen. Ja, wir hatten tatsächlich ein Jahr lang Mathematik und, ja, es war schlimm.» Wenn ich erzähle, dass ich an der ETHZ Medizin studiert habe, blicke ich oft in fragende Gesichter. Dabei existiert der Bachelor an der ETHZ doch nunmehr seit zehn Jahren. Das Curriculum ist entsprechend modern aufgebaut: Wir besuchen Module über Precision Medicine, Clinical Biomarkers und medizinische Bildgebung. Doch neben Vorlesungen über die Funktionsweise
eines MRIs oder die mathematische Anwendung von Fourier-Reihen haben wir auch ganz normale Anatomie- und Physiologieblöcke sowie jede Menge klinische Einblicke.

Da unsere Kohorte nur knapp 100 Studierende umfasst, sind wir ein sehr überschaubarer Studiengang, was es uns erleichtert, wochenweise in Spitälern bei Ärztinnen und Ärzten mitzulaufen. Somit hatten wir bereits im ersten Jahr zahlreiche Berührungspunkte mit unserer späteren ärztlichen Tätigkeit – ein riesiger Vorteil, wie viele Studierende finden. Doch gibt es
mit dem ETHZ-Medizinstudium tatsächlich die Möglichkeit, später in die Forschung
einzusteigen, da wir mit unserem Bachelor of Science – deswegen die Mathematik
– grundsätzlich auch einen anderen Master als Medizin belegen könnten.

In Wirklichkeit entscheidet sich aber der Grossteil der ETH-Medizinstudierenden dafür, mit dem Master of Medicine weiterzumachen. Das spricht für das ausgeglichene Curriculum der ETHZ,
das sowohl technische und naturwissenschaftliche Vorlesungen als auch praktische Kurse wie Anamnesetechnik oder Gesprächsführung beinhaltet. Das klingt eigentlich alles super. Vieles ist auch toll an der ETHZ, aber eben doch nicht alles. Denn zur ETHZ gehört auch deren Anspruch,
unsere Vorlesungswochen täglich von 8 bis 18 Uhr zu füllen, da wir in den sogenannten Semester-«Ferien» (was an der ETHZ mit «Lernphase» gleichzustellen ist) genügend Zeit haben, den ganzen Stoff zu repetieren und uns auf die Prüfungen am Ende der Semesterferien vorzubereiten. Sind die Prüfungen geschafft, bleiben je nach Semester gerade einmal
zweieinhalb Wochen bis drei Tage, um sich zu erholen und dann frisch ins nächste Semester zu starten.

Dass dies eine hohe psychische Belastung für die Studierenden bedeutet, ist inzwischen auch bei der ETHZ-Direktion angekommen. So plant sie für 2027 eine Reform des akademischen Kalenders und eine Verkürzung der Lernphase. Eine weitere Besonderheit der ETHZ ist es, ab dem ersten Semester schon klinische Inhalte zu unterrichten. Die ETHZ setzte
in der Belegung ihrer klinischen Vorlesungen darauf, echte Klinikerinnen und Kliniker als Dozierende über ihr Fachgebiet zu engagieren. Es ist interessant, von Expertinnen und Experten über den Umgang mit Krankheiten zu lernen, jedoch habe ich nach zahlreichen solcher Vorlesungen meine Zweifel, ob tatsächlich jeder einzelne Arzt und jede Ärztin über das
nötige didaktische Feingefühl verfügt, ein komplexes Thema anschaulich an Studierende zu vermitteln. Nach 128 Folien mit statistischen Grafiken aus Studien fragte sich mancher Studierende, ob wir im 1. Semester Humanmedizin oder in einer Facharztweiterbildung sind.

So musste ich persönlich zur Erkenntnis kommen, dass einem Krankheitsbilder oft anschaulicher von Dozierenden des anatomischen Instituts der Uni Zürich erklärt werden als von praktizierenden Ärztinnen und Ärzten. Dennoch war es meist eine angenehme Abwechslung, ein paar Nerds aus der Nephrologie oder Hardcore-Kardiologinnen in unseren
Vorlesungen zu begrüssen.

Alles in allem war das Bachelorstudium an der ETHZ eine anstrengende, aber auch enorm lehrreiche und schöne Zeit. Mit ihrem vielfältigen Curriculum
und vielen neuartigen Lehransätzen kann sich der Bachelor an der ETHZ sehen lassen. Ich trage diese Zeit in guter Erinnerung und freue mich darauf, im Master eine neue Universität kennenzulernen.
 

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