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Qualität / SAQM
Qualität und Wirtschaftlichkeit

Qualität und Wirtschaftlichkeit

Der revidierte Artikel 58 KVG zur Stärkung von Qualität und Wirtschaftlichkeit ist seit dem 1. April 2021 in Kraft. Ziel ist eine systematische und strukturierte Verbesserung der Qualität der Leistungen. Die Leistungserbringer bzw. die Ärztinnen und Ärzte werden ab dem 1. April 2022 gesetzlich verpflichtet sein, Massnahmen zur Qualitätsentwicklung umzusetzen. Die Rahmenbedingungen zur Qualitätsentwicklung und zur Qualitätsmessung müssen in gemeinsam von den Verbänden der Leistungserbringer und den Verbänden der Versicherer erarbeiteten Qualitätsverträgen geregelt werden.

Zur Stärkung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit medizinischer Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung hat das Parlament 2019 die Teilrevision des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) verabschiedet. Dieses sowie die dazugehörende Änderung der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) ist seit dem 1. April 2021 in Kraft.

Mit der neuen gesetzlichen Grundlage wurden finanzielle und strukturelle Instrumente geschaffen, um die Qualität im Schweizer Gesundheitswesen koordiniert weiterzuentwickeln:

  • Der Bundesrat legt die strategische Ausrichtung der nationalen Qualitätsentwicklung mit 4‑Jahres-Zielen fest.
  • Der Bundesrat setzt eine eidgenösse Qualitätskommission (EQK) ein. Diese setzt die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel gezielt zur Qualitätsentwicklung ein und berät die Akteure des Gesundheitssystems.
  • Die Verbände der Leistungserbringer und der Versicherer schliessen gesamtschweizerisch geltende Verträge zur Qualitätsentwicklung ab.
  • Die Leistungserbringer müssen die im Qualitätsvertrag festgelegten Regeln zur Qualitätsentwicklung einhalten, damit sie zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung tätig sein können.

Qualitätsverträge

Gemäss dem revidierten Artikel zur Stärkung von Qualität und Wirtschaftlichkeit müssen die Verbände der Leistungserbringer und der Versicherer gesamtschweizerisch geltende Qualitätsverträge abschliessen (Art. 58a KVG). Diese müssen dem Bundesrat ein Jahr nach Inkraftsetzung, also bis zum 1. April 2022, zur Genehmigung vorgelegt werden, ansonsten kann der Bundesrat subsidiär eingreifen.

In den Qualitätsverträgen ist Folgendes zu regeln:

  • Qualitätsmessungen
  • Massnahmen zur Qualitätsentwicklung
  • Zusammenarbeit der Vertragspartner bei der Festlegung von Verbesserungsmassnahmen
  • Überprüfung der Einhaltung der Verbesserungsmassnahmen
  • Veröffentlichung der Qualitätsmessungen und der Verbesserungsmassnahmen
  • Sanktionen bei Verletzungen des Vertrags
  • Erstellen eines Jahresberichts über den Stand der Qualitätsentwicklung zuhanden der neu eingesetzten Eidgenössischen Qualitätskommission (Art. 58b und 58c KVG) und des Bundesrats

Die FMH ist zurzeit gemeinsam mit santésuisse und curafutura daran, für den praxis-ambulanten Bereich die entsprechenden vertraglichen und konzeptionellen Grundlagen zu erarbeiten. Basis dafür bildet das Pilotprojekt «Veröffentlichung der Qualitätsaktivitäten der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte». Die in der Ärztekammer vertretenen Organisationen werden über die bestehenden Gremien und Arbeitsgruppen in die Erarbeitung des Qualitätsvertrags eingebunden.

Für den stationären Bereich erarbeitet H+ gemeinsam mit den Versicherungsverbänden ebenfalls einen Qualitätsvertrag:​​​​​​

Publikationen

The Hill We Climb

Schweizerische Ärztezeitung, Nr. 10, 2021

Eidgenössische Qualitätskommission (EQK)

Im Rahmen des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) hat der Bundesrat am 1. April 2021 die eidgenössische Qualitätskommission (EQK) eingesetzt. Die 15 Mitglieder der unabhängige ausserparlamentarische Expertenkommission beraten den Bundesrat, die Kantone, die Versicherer und die Leistungserbringer bezüglich Qualitätsentwicklung. Weiter setzt die eidgenösse Qualitätskommission die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel ein, um Dritte zu beauftragen, Programme oder systematische Studien zur Qualitätsentwicklung durchzuführen oder Qualitätsindikatoren zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln.

Dr. med. Christoph Bosshard, Vizepräsident der FMH und Departementsverantwortlicher Daten, Demographie und Qualität (DDQ) ist als Vertreter der Ärzteschaft Mitglied der eidgenössischen Qualitätskommission.

Pilotprojekt «Veröffentlichung der Qualitätsaktivitäten der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte»

Die Schweizerische Akademie für Qualität in der Medizin der FMH (SAQM), santésuisse und curafutura haben in den Jahren 2019 und 2020 im Rahmen der «Arbeitsgruppe Qualität FMH/Versicherer» (AGQ FMH/Versicherer) das Pilotprojekt «Veröffentlichung der Qualitätsaktivitäten der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte» umgesetzt.

Folgende Ärzteorganisationen haben daran teilgenommen:

Sechs Pilot-Fachgesellschaften haben für ihren Bereich in Absprache mit den Versicherern jeweils drei bis fünf Qualitätsaktivitäten definiert, mit welchen sie die Qualität in der Patientenversorgung weiterentwickeln wollen. Sie haben ausserdem einen Prozess zur Überprüfung der Qualitätsaktivitäten definiert und diesen versuchsweise implementiert.

Rund 3300 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte haben in einer Befragung im Sommer und Herbst 2020 angegeben, welche der empfohlenen Qualitätsaktivitäten sie umsetzen. Ihre Angaben wurden auf www.doctorfmh.ch veröffentlicht, um bezüglich Qualität Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit, der Politik und den Versicherern zu schaffen.

Publikationen zum Pilotprojekt:

Gelebte Qualitätstransparenz der Ärzteschaft

Schweizerische Ärztezeitung, Nr. 51, 2020

Publikationen der Pilot-Fachgesellschaften:

Ambulante Qualitätsaktivitäten sichtbar machen

Primary and Hospital Care, 05/2020

Patientensicherheit

Im revidierten Gesetz zur Stärkung von Qualität und Wirtschaftlichkeit soll die Stiftung für Patientensicherheit Schweiz eine Schlüsselrolle inne haben. Die FMH ist eine aktive Mitträgerin der Stiftung Patientensicherheit Schweiz. Als solche unterstützt sie die Organisation seit Jahren sowohl ideell als auch finanziell. Die Unterstützung erfolgt grundsätzlich projektbezogen.

Modul «Patientensicherheit im Qualitätszirkel»

Qualitätszirkel sind breit etabliert und bieten einen geschützten Rahmen für einen kollegialen Austausch zu qualitätsrelevanten Themen. Sie ermöglichen deshalb auch eine aktive Auseinandersetzung mit und eine Sensibilisierung für Patientensicherheitsthemen, wie beispielsweise den Umgang mit Risiken und Fehlern.

Patientensicherheit Schweiz entwickelt und pilotiert mit finanzieller Unterstützung der FMH Materialien für Qualitätszirkel für die Vermittlung und Diskussion grundlegender Patientensicherheitsthemen.

Sicherheit der Telefon-Triage in der Grundversorgung

Wenn Patientinnen und Patienten Kontakt mit einer Arztpraxis aufnehmen, ist die Telefon-Triage in Bezug auf die Patientensicherheit ein wichtiger Hot-Spot. Dies hat eine Studie der Stiftung Patientensicherheit Schweiz ergeben. Nicht selten kommt es zu einer Fehleinschätzung der Dringlichkeit des Patientenanliegens. Eine solche Fehleinschätzung kann für die betroffenen Patientinnen und Patienten mit ernstzunehmenden Folgen verbunden sein.

Obwohl die allermeisten Patientinnen und Patienten für den ersten Versorgungskontakt zum Telefon greifen, liegen in der Schweiz kaum Erkenntnisse über die Sicherheit der Telefon-Triage in der Grundversorgung vor. Die Stiftung für Patientensicherheit hat deshalb mit dem Projekt «Sicherheit der Telefon-Triage in der Grundversorgung» die Risiken für die Patientensicherheit konkretisiert und praxisorientierte Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Im Rahmen des Projekts hat die Stiftung einen Leitfaden für Hausarztpraxen entwickelt. Er hilft, Strukturen und Rahmenbedingungen rund um die Telefon-Triage und deren Auswirkungen auf die Patientensicherheit zu beleuchten.

Das Projekt ist massgeblich durch die FMH finanziert.

Publikation

Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen

Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (MoMo) sind ein in Spitälern verbreitetes Gefäss des individuellen und organisationalen Lernens. Typischerweise werden darin Komplikationen, ungewöhnliche Verläufe und unerwartete Todesfälle aufgearbeitet. Um die sogenannten MoMo in der Schweiz als Instrument zur Förderung der Patientensicherheit zu stärken, haben Patientensicherheit Schweiz und die FMH ein Projekt lanciert. Mit der Unterstützung zahlreicher Chefärztinnen und Chefärzte konnten in einer ersten Projektphase 2017 der aktuelle Umsetzungsstand der MoMo in der Schweiz und allfällige Bedürfnisse für eine Weiterentwicklung erfasst werden. Basierend auf diesen Erkenntnissen hat Patientensicherheit Schweiz mit der finanziellen und ideellen Unterstützung der FMH Hilfsmittel entwickelt, die Fachpersonen künftig bei ihren MoMo-Konferenzen unterstützen sollen.

Publikation

Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen in der Schweiz

Schweizerische Ärztezeitung, Nr. 40, 2017

Aktionsplan Psychiatrie

Da Patientensicherheit in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen nach wie vor ein vernachlässigtes Thema ist, hat die Stiftung Patientensicherheit Schweiz 2015 das massgeblich von der FMH finanzierte Projekt «Patientensicherheit in der psychiatrischen Versorgung – Bestandsaufnahme und Aktionsplan» durchgeführt. Übergeordnetes Ziel war es, das Thema für die Schweiz praxisbezogen, interdisziplinär und sektorenübergreifend aufzuarbeiten, die Sensibilisierung für dieses Thema schweizweit zu erhöhen und den dringlichen Handlungsbedarf aufzuzeigen. Unter Berücksichtigung bereits vorhandener Aktivitäten und Projekte wurde ein Aktionsplan für die Bereiche Forschung, Praxis sowie Aus- und Weiterbildung erarbeitet. Der Aktionsplan zeigt auf, wie nächste Schritte zur Verbesserung der Patientensicherheit in der psychiatrischen Versorgung in den nächsten Jahren aussehen müssen.

Um Wirkung zu erzielen, wurde der Aktionsplan 2016 unterstützt durch die FMH verbreitet. Ziel war es, den Aktionsplan schweizweit bei wichtigen Berufsverbänden, Fachgesellschaften und Weiterbildungsorganen bekannt zu machen und so für das Thema zu sensibilisieren. Der Aktionsplan steht  heute auf der Website von Patientensicherheit Schweiz zur Verfügung.

Erklärung sichere Chirurgie

Das ausnahmslose und komplette Durcharbeiten einer dreiteiligen chirurgischen Checkliste hilft, Fehler im Operationssaal zu vermeiden oder rechtzeitig aufzufangen. Von 2013 bis 2015 hat die Stiftung Patientensicherheit Schweiz in Spitälern ein entsprechendes Pilotprogramm mit dem Titel «progress! Sichere Chirurgie» durchgeführt.

Eine Follow-up-Erhebung zum Pilotprogramm hat gezeigt, dass die Checkliste heute vermehrt, jedoch noch nicht flächendeckend eingesetzt wird. Um den Einsatz der Checkliste einzufordern, haben bedeutende Schweizer Gesundheitsorganisationen in einer Charta die Checkliste zur Norm in Schweizer Operationssälen erklärt. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz fordert weitere Organisationen und Einzelpersonen auf, die Erklärung mitzutragen.

Die FMH / SAQM unterstützt die Erklärung.

Täter als Opfer – Fehler und ihre Auswirkungen auf Fachpersonen

Zwischenfälle und medizinische Fehler beeinflussen und belasten das berufliche und gesundheitliche Wohlbefinden von Ärztinnen und Ärzten erheblich. Das von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz durchgeführte und von der FMH massgeblich mitfinanzierte Projekt «Täter als Opfer» hatte zum Ziel, die ärztlichen Mitarbeitenden im Umgang mit Zwischenfällen zu unterstützen und die Kommunikations- und Sicherheitskultur in der Medizin zu fördern. Die Ergebnisse des Projekts hat die Stiftung Patientensicherheit Schweiz in Form von verschiedenen Informationsbroschüren publiziert, inklusive Empfehlungen. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz führt zudem Weiterbildungen zum Thema durch.​​​​​​​​​​​​​​

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